Stundenausfall: Niedersachsens
Direktoren schlagen Alarm
Von voller Unterrichtsversorgung weit entfernt - "Versäumnisse verfehlter
Lehrerwerbung nicht kurzfristig zu beheben"
Hannover - In Mangelfächern wie Latein, Mathematik oder Musik befürchten
die niedersächsischen Gymnasialdirektoren auch künftig erhebliche
Stundenausfälle. "Die Versäumnisse aus vielen Jahren verfehlter
Lehrerwerbung sind nicht kurzfristig zu beheben", teilte die Vereinigung
am Dienstag mit. Auch im kommenden Schuljahr seien die Gymnasien von der
von Kultusminister Bernd Busemann (CDU) immer wieder zugesagten
100prozentigen Unterrichtsversorgung weit entfernt.
Bis November sei bestenfalls
mit einer Versorgung von 97,5 Prozent zu
rechnen, sagte der Vorsitzende Rolf-Eberhard Irrgang. "Das ist nur eine
erste Planungsgröße", entgegnete Busemann. Die Gymnasien könnten
auf
längere Sicht mit einer Versorgung von knapp über 99 Prozent rechnen.
"Wir versuchen, den
Mangel zu kaschieren, indem wir fachfremde Lehrer
einsetzen", erläuterte Irrgang. "Wenn es zum Beispiel Defizite
in
Mathematik und Physik gibt, kommen Biologie- oder Chemielehrer zum
Einsatz. Das heißt, jede Schule schiebt die Lehrer so lange hin und her,
bis es einigermaßen paßt, das eigentliche Problem aber wird nicht
gelöst."
Referendare seien über
viele Jahre nicht nach Bedarf, sondern nach ihren
Noten eingestellt worden, erklärte Irrgang. "Mittlerweile müssen
sich die
Schulen bei den Lehrern bewerben und nicht umgekehrt, die Schulen werden
zu Bittstellern." Betroffen seien auch Fächer wie Physik und Chemie,
Französisch, Latein oder Kunst. "Unterrichtsausfall gäbe es auch
bei einer
statistischen Versorgung von 105 Prozent", sagte Irrgang. "Wenn ich
einen
Physiker brauche, kann ich ja keinen Historiker hinschicken."
Busemann sagte dazu: "Ich
teile die Sorgen der Direktoren, was die
Mangelfächer anbelangt. Selbst wenn Stelle und Geld vorhanden sind, können
wir in manchen Fächern nicht alle Stellen besetzen. Hier rächen sich
die
Versäumnisse der Vorgängerregierung."
Der SPD-Fraktionsvorsitzende
Wolfgang Jüttner betonte, der Mangel sei zwar
real vorhanden, dafür verantwortlich sei jedoch das "Wahlverhalten
der
Studierenden". Dennoch seien die Gymnasien weit von einer 100prozentigen
Versorgung entfernt.
"Die Lehrerausbildung
muß sich qualitativ und quantitativ stärker am
Bedarf der Schulen ausrichten", sagte die Bildungsexpertin der Grünen,
Ina
Korter. Da die Kooperation zwischen Kultus- und Wissenschaftsministerium
offenbar mangelhaft sei, müsse auch überlegt werden, ob beide Häuser
langfristig zusammengelegt werden sollten. Auch die niedersächsischen
Stadtelternräte hatten sich über zu viele ausfallende Stunden beklagt.
lni