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Michael
Hanke
Oldendorfer Str. 17
37586 Dassel
Leserbrief
Die "Elternsteuer"
Die christlich
geführte Niedersächsische Landesregierung hebt die
Lehrmittelfreiheit auf und leistet damit einen "erheblichen"
Beitrag zur
Familienförderung. Eltern müssen für ihre Kinder die Schulbücher
nun
wieder selber bezahlen. Dies wird natürlich durch ein aufwendiges
Verwaltungsverfahren "abgemildert" das von den Schulen geleistet
werden
muss. Und ich dachte dass Schulen für die Bildung da seien. Nicht
nur,
auch die Einziehung der neuen "Elternsteuer" ist ab sofort zu
leisten.
An den Schulbüchern
kann wieder der soziale Stand erkennbar sein.
Wohlbemittelte Einzelkinder, die immer neue Bücher zur Verfügung
haben im
Gegensatz zu verarmten Facharbeiterkindern. Die einen labelorientiert
schon in der Kleidung, die anderen auch an ihren Schulbüchern
identifizierbar. Die Bildung, und das weiß jede und jeder der einmal
eine
Schule von innen gesehen hat, wird kaputtgespart, koste es was es wolle.
Die "Elternsteuer" ist ein weiterer Sargnagel. Wir sind nun
einmal ein
ressourcenarmes Land und können uns nur durch unsere Fähigkeiten
verbessern. Und die neue "Elternsteuer" trägt nicht zur
Bildungsoffensive
bei. Je "höher" die Schule desto höher die "Steuer".
Bildung wird wohl
wieder stärker von Einkommen der Eltern abhängen. Klassenkampf
von oben.
Neben der
"Elternsteuer" gab es diesen Sommer einen weiteren gewaltigen
Umbruch, die Orientierungsstufe wurde abgeschafft. Es gab sicherlich
einige Kritikpunkte, aber ich möchte einmal das Augenmerk auf die
Prognosesicherheit in Dassel lenken. Als Ergebnis zweier Schuljahre kam
eine Empfehlung heraus der in Dassel mit gutem Gewissen gefolgt werden
konnte. Die Wiederholungen von Klassen oder der Schulwechsel wurde
weitgehend minimiert. Und dies spart Kosten. Diese Schullaufbahnempfehlung
wird nun 2 Jahre früher gegeben. Somit fehlen 2 Jahre
Entwicklungsmöglichkeit. Eltern von Drittklässlern wird nach
den
Sommerferien sicherlich gesagt werden dass sich ihre Kinder anstrengen
müssen wenn sie eine bestimmte Schulform erreichen wollen. Im Zusammenhang
mit der immer wieder hochkommenden Forderung "Einschulung ab fünf"
als
knallharter Leistungsdruck auf Kinder ab sieben/acht/neun. Sehr
christlich.
In Sonntagsreden
und Programmen wird immer wieder die Bedeutung der
Familie betont. Auch der Hinweis auf die hehren Worte des Grundgesetzes
fehlen nicht. Aber wenn einigen klarer wird wie Anspruch und Wirklichkeit
auseinander klaffen setzt das Hirn ein und ein eventuell vorhandener
Kinderwunsch wird schnell verworfen. Lieber jedes Jahr satt Urlaub als
einem Kind Leben und Zukunft geben. Natürlich könnte ich diesen
Personen
erzählen was ihnen entgeht, wie wertvoll der Umgang mit Kindern ist,
aber
diese Werte haben für zu viele heute schon keine Bedeutung mehr.
Lieber
heute Events und Genuss, die Spaßgesellschaft in vollen Zügen
erleben, als
den Gedanken an morgen verschwenden. Dabei ist ein Kinderlachen schöner
als ein zweifelhafter Genuss von Action sonst wo in der Welt. Aber diese
meine Einstellung ist veraltet, zumindest aus Sicht der Egoisten. Das
Auto
größer, die Reise weiter, die Wohnung exklusiver, zumindest
solange man
oder frau noch im Karrierefahrstuhl nach oben fährt.
Wie weit
dieses Denken schon verbreitet ist zeigen neuere Untersuchungen.
Ein Drittel aller Frauen verzichtet, bei Akademikerinnen sogar 40 % !!!
Hier ist ein genussvolles Leben angesagt und im Alter zahlen ja die Kinder
der Blöden die dann üppige Rente. In der Stadt Dassel wird diese
Entwicklung mehr als deutlich. In den nächsten Jahren gibt viele
freie
Kindergartenplätze im Vergleich zu heute. Unsere Stadt wird zum
Altersheim, irgendwann.
Wir müssen
kinderfreundlicher werden. Wie das geht kann mann oder frau
schon in einigen europäischen Ländern sehen. Aber das kostet.
Nicht nur
Mühe sondern auch Geld. Mühe in der Hinsicht das sich die Einstellung
dieser Gesellschaft ändern muss. Wenn wir nicht in Kindern eine Chance
für
die Zukunft sehen sondern immer nur eine Zumutung sind wir verloren. Und
Geld, denn diese Zukunft gibt es nicht umsonst. PISA-Schock und
IGLU-Beruhigung sollten nicht ignoriert werden. Drastische Maßnahmen
im
Bildungswesen haben schon einmal langfristig ein hohes Niveau
hervorgebracht. Hier lagen einmal unsere Stärken. Wir sollten diese
wieder
aufbauen und besser als in der Vergangenheit nutzen. Und die Blicke müssen
aufhören. Die entsetzten Blicke wenn Mutter und Vater mit ihren 4
Kindern
irgendwo langgehen. Gäbe es nicht die verständnisvollen Blicke
der
mitbekennenden Eltern wäre es entsetzlich. Kinder machen Spaß.
Und das
Leuchten in Kinderaugen gibt mehr Energie als ein Kraftwerk.
Die Niedersächsische
Landesregierung sollte einmal in die Kirche gehen und
um Erleuchtung bitten. Ein Notprogramm Bildung mit einem breiten Konsens
(NICHT den kleinsten gemeinsamen Nenner) ist erforderlich. Und die
"Elternsteuer", die mehr schadet als nutzt bzw. einspart, gehört
in den
Mülleimer.
Schöne
Ferien.
Michael Hanke
Markoldendorf
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